Pädagogisches Konzept
Vorwort
Dieses Konzept soll Eltern einen Einblick über die Arbeit des Kindergartens verschaffen. Es definiert die übergeordneten Grundsätze, die der pädagogischen Arbeit im Kindergarten „Die kleinen Strolche" zu Grunde liegen. Hierbei sind vor allem der situative Ansatz und die Förderung zur Selbständigkeit wichtig, die von den Kindern in einer Atmosphäre der Geborgenheit und spielerischen Anregung erfahren werden sollen.
Die Erziehung und die Förderung der Kinder im Kindergarten soll ohne Leistungsdruck und nach dem Prinzip der Ganzheitlichkeit stattfinden. Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten und Grenzen. Mädchen und Jungen sollen gleichberechtigt behandelt werden.
Der Kindergarten ist eine Elterninitiative und dies bedeutet, dass die Mitarbeit der Eltern erwünscht und auch erforderlich ist, um einen reibungslosen Ablauf im Kindergarten zu gewährleisten. Die Trägerschaft des Kindergartens liegt in den Händen der Vereinsmitglieder, die durch den jeweilig gewählten Vorstand vertreten werden. Er soll deshalb auch ein Kindergarten sein, der den Betreuungsbedürfnissen der Eltern Rechnung trägt, z.B. in den Betreuungs-Zeiten.
Der situative Ansatz
Der „situative Ansatz" will typische Lebenssituationen der Kinder und der Erzieher, sogenannte Schlüsselsituationen, spontan aufgreifen, sie gemeinsam mit Kindern und Erziehern erkunden, erklären und die Fähigkeiten zur Bewältigung der Situation oder der in ihr erfahrenen Problematik entwickeln. Dies kann zu Abweichungen vom Rahmenplan führen. Der situative Ansatz knüpft an jene pädagogischen Richtungen an, die vom Lebens- und Erfahrungsraum der Kinder ausgehend weitgehend selbstbestimmt lernen lassen.Beispiel: Ein Kind erzählt, dass jemand aus seinem Bekanntenkreis ein Baby bekommen hat. Dieses Thema wird von den Erziehern mit den Kindern evtl. unter Einbeziehung von Personen, Materialien und Büchern besprochen.
Selbständigkeit
Die Erzieher versuchen, die Kinder zur Selbständigkeit in allen Bereichen anzuleiten. Der Ausspruch von Maria Montessori „Hilf mir es selbst zu tun" ist ein Grundsatz unserer Arbeit. Im Mittelpunkt steht das Kind, dessen Entwicklung zur eigenständigen Person das oberste Ziel aller Erziehung in den verschiedenen Lebensbereichen ist.
Beispiel: Im Laufe der Zeit lernen die Kinder sowohl das Tischdecken vor dem Frühstück als auch das Vorbereiten des Essens oder das eigenständige Anziehen.
Die Kinder dürfen selbständig entscheiden, wann sie aufs Außengelände gehen und können dort auch ungestört spielen!
Das Prinzip des situativen Handelns und der Selbständigkeit beeinflusst auch alle nachstehenden konkreteren Punkte der Kindergartenarbeit.
1. Feste und Gesellschaft
Unser Kindergarten ist konfessionsunabhängig. Wir wollen aber den Kindern die Gesellschaft und Umgebung, in der sie leben, nahe bringen. D.h. Feste im Jahresablauf, z.B. Ostern und Weihnachten sowie Traditionen unserer Region werden mit den Kindern besprochen und gefeiert. Wir besuchen Einrichtungen (z.B. Feuerwehr, WDR, Schuster, Bücherei, Haus der Geschichte, Bäcker) in unserer Umgebung und kulturelle Veranstaltungen. Besondere Ereignisse werden aufgegriffen und erfahrbar gemacht (z.B. Sonnenfinsternis, politische Situation).
2. Vertrauen und Wohlfühlen
Unser Ziel ist es, für die Kinder ansprechende Räumlichkeiten zu schaffen, in denen sie sich wohl fühlen und gerne aufhalten. Die Erzieher versuchen ein Verhältnis zu den Kindern aufzubauen, in dem sie die Kinder grundsätzlich annehmen, so wie sie sind. Die Kinder sollen das Gefühl haben, jederzeit mit ihren Erlebnissen, Problemen und Ängsten zu den Erziehern gehen zu können sowie selbständig Dinge für sich entscheiden zu dürfen. Gegenseitiges Vertrauen ist hierbei die wichtigste Voraussetzung. Auch durch gemeinsame Spiele und Lieder entsteht ein tiefes Geborgenheitsgefühl.
3. Spielzeug
Durch Spielen können die Kinder am besten Dinge begreifen sowie die eigene Fantasie und Kreativität sowie ihre Fähigkeiten entdecken. Kinder benötigen hierzu oft wenig vorgefertigtes Spielzeug, so dass der Kindergarten sich entschieden hat, als „spielzeugreduzierte Einrichtung" nur eine begrenzte Anzahl an Spielsachen zur Verfügung zu stellen, diese aber regelmäßig auszutauschen und zu erneuern, um neue Anregungen zu liefern. Die Kinder haben in den Gruppenräumen freien Zugang zu verschiedenen, altersgemäßen Spiel- und Bastelmaterialien sowie Büchern. Sie können selbst bestimmen, mit wem und was sie spielen wollen, lernen aber auch, nicht mehr gewollte Gegenstände wieder aufzuräumen und an den dafür vorgesehenen Platz zu legen. Die Erzieher gehen auf ihre Wünsche und Vorstellungen ein und geben ihnen Anregungen.
4. Konfliktsituationen
Die Erzieher nehmen in einer Konfliktsituation eine beobachtende Position ein und greifen erst schlichtend ein, wenn die Situation zu eskalieren droht. Bis dahin geben sie den Kindern die Möglichkeit, Konflikte auszuleben und eigenständige Lösungen zu finden.
Beispiel: Wenn zwei Kinder sich um einen Stift streiten, ist dies anders zu bewerten, als wenn zwei Kinder ein einzelnes Kind zanken. Bei dem letzten Beispiel kann das betroffene Kind in eine Situation kommen, welche die Möglichkeit einer eigenen Konfliktbewältigung stark einschränkt.
5. Werken / Kreativität
Die Kinder dürfen vielfältige Materialerfahrungen mit möglichst wenig Einschränkungen durch Ästhetik und Sauberkeitsvorstellungen der Erwachsenen machen. Sie können Ideen entwickeln und diese gemäß ihren Fähigkeiten umsetzen. Nicht das Ergebnis steht im Vordergrund, sondern vielmehr der experimentelle Prozess. Bei der Materialauswahl werden gerne selbstgesuchte Naturmaterialien oder Gegenstände des täglichen Gebrauchs eingesetzt.
Beispiel: Es besteht für die Kinder die Möglichkeit, sich an der Werkbank kreativ zu entfalten. Die Kinder haben freien Zugang zu dem dafür nötigen Werkzeug. Die Wünsche und Ideen der Kinder werden aufgegriffen und nach Möglichkeit umgesetzt.
6. Bewegungserziehung
Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Kindergartenarbeit. Durch tägliches Spielen im Außengelände und regelmäßige Sparziergänge schulen die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten. Darüber hinaus bietet insbesondere der Gruppennebenraum den Kindern die Möglichkeit, mit Kissen und anderen weichen Materialien zu toben, springen und sich zu bewegen.
Gezielte Turn- oder Spielangebote befähigen die Kinder, ihren Körper in den verschiedenen Bewegungsabläufen wahrzunehmen. Die Wege durchs Dorf fördern und trainiert die Verkehrssicherheit der Kinder und ist gleichzeitig ein Einüben des späteren Schulweges.
7. Musikalisch-rhythmische Erziehung
Durch Gesang, Musik hören und Bewegung zur Musik werden erste musikalische Erfahrungen vermittelt. Im Stuhl- und Sitzkreisen, aber auch auf unseren Spaziergängen, werden Lieder mit den Kindern gesungen. Des Weiteren werden die Kinder spielerisch an verschiedene Instrumente herangeführt. Sie haben nach Absprache mit den Erziehern Zugang zu verschiedenen Musikinstrumenten.
8. Umwelterziehung
Es ist dem Kindergarten ein wichtiges Anliegen, die Kinder über Zusammenhänge von Mensch und Natur aufzuklären. Die Kinder sollen ökologische Zusammenhänge erkennen, um später mit Freude eigene Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen.
Beispiel: Regelmäßig geht die Gruppe zum nahe gelegenen Lauterbach, um während des Weges an praktischen Beispielen die Umwelt zu begreifen und zu erfahren. Ziel ist es, verantwortlichen Umgang mit Pflanzen und Tieren im natürlichen Lebensraum zu erlernen.
9. Sexualerziehung
Sexualität ist kein Tabuthema. Die Fragen der Kinder bezüglich Zeugung, Schwangerschaft, Geburt etc. werden altersgemäß und dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechend beantwortet. Die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Selbstbestimmung kann dazu beitragen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und sich vor ihnen zu schützen. Die Kinder erfahren in spielerischer Art und Weise auch ein klares Nein ihrem Gegenüber zu äußern, wenn sie zu Körperkontakt nicht bereit sind.
10. Essen
Die Kinder dürfen ihr mitgebrachtes Frühstück essen, wenn sie Hunger haben. (Kernzeit 7:30 bis 10 Uhr). Einmal in der Woche findet ein gemeinsames Frühstück statt. Die Eltern werden gebeten, keine Süßigkeiten mitzugeben. Bei Festen wird Alkohol in Anwesenheit der Kinder nicht angeboten.
11. Schnupper- und Geschwisternachmittag
Wir möchten zukünftigen Kindergartenkindern und Geschwistern einen Einblick in unsere Arbeit ermöglichen. Geschwisterbesuche können individuell vereinbart werden.
12. Vorschulerziehung
Die Vorschule soll den Übergang vom Kindergarten in die Schule erleichtern und die Kinder voll Freude und Motivation auf den Schulbesuch vorbereiten.
Ziel der vielfältigen Angebote ist es, die Entwicklung des Kindes im Hinblick auf seine Schulfähigkeit zu unterstützen und orientiert sich an der Bildungsvereinbarung NRW. Die Erzieher führen ein Jahr vor Schulbeginn, zweimal pro Woche, die Vorschule durch.
13. Pädagogisches Handeln für unter 3-jährige Kinder
Eine einfühlsame Eingewöhnung bildet die Grundlage für den Aufbau einer sicheren Bindung an die neuen Bezugspersonen. Um den Kindern vielfältige Entwicklungsanreize und Raum für Selbstbildungsprozesse zu bieten, ist entsprechendes Spielmaterial und pädagogische Kompetenz wichtig. Die unterschiedlichen Zeitrhythmen und Bedürfnisse 2-järiger Kinder, werden bei der Gestaltung des Tagesablaufs berücksichtigt und mit den Eltern besprochen. Besonders während den Malzeiten und Pflegesituationen gilt es, den Kindern Zeit und ein besonderes Maß an liebevollem Respekt entgegen zubringen.
14. Sprachförderung
Kinder erwerben Sprache quasi von selbst. Voraussetzung ist jedoch ein Umfeld, in dem die Grundsätze kindlicher Spracherwerbsprozesse berücksichtigt werden: Kinder erwerben Sprache durch Imitation und Verstärkung, unbewusst-intuitiv, ganzheitlich, in Interaktion und konkreter Handlung. An diesen Prinzipien muss Sprachförderung im Kindergarten ansetzten, um Kinder wirklich zu erreichen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen – das gilt für ein- und zweisprachig aufwachsende Kinder gleichermaßen. Im einzelnen: Wir sind für die Kinder sprachliche Vorbilder; wir führen viele Gespräche mit den Kindern, sie sind feste Bestandteile im Alltag; Zeit, Ruhe und Interesse am Zuhören; Spaß und Freude mit und an Sprache, durch Spiele, Bewegung und Musik; u.v.m.
Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern in der Praxis
Erzieher
Zwischen Eltern und Erziehern muss auf der Grundlage der pädagogischen Konzeption eine tragfähige Vertrauensbasis bestehen. Dieses lässt eine freie Gestaltung der Arbeit durch das Erzieherteam zu.
Mitarbeitungsmöglichkeiten der Eltern bestehen im Rahmen gemeinsamer Absprachen und der Zusammenarbeit im Elternrat.
Die Erzieher müssen die Inhalte des pädagogischen Konzeptes bejahen und sollen ihr Handeln an den Zielen der pädagogischen Konzeption ausrichten.
Eltern
Eltern, die Mitglieder der Elterninitiative „Die kleinen Strolche e.V.“ sind, müssen die Inhalte der pädagogischen Konzeption mittragen. Dazu gehören auch die Übernahme konkreter Aufgaben wie Elternbetreuungsdienste, Gartenarbeit, Renovierungsarbeiten etc.
Wenn wir als Eltern besondere Anforderungen an Erzieher stellen, müssen wir natürlich auch bereit sein, dieselben bzw. entsprechenden Anforderungen an uns zu stellen. Dazu gehören auch die Bereitschaft, Kritik offen gegenüber der betroffenen Person zu äußern und die Bereitschaft, selbst Kritik zu ertragen, zu überdenken und gegebenenfalls auch umzusetzen.